simply human

Alle Menschen sind geboren.

Halte mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verbeugt.
Khalil Gibran

How to „Empathie“ for dummies…

Dieser Kommentar (5.7.2025) muss sein, auch wenn ich eigentlich keine halbe Stunde Zeit habe. Aber gut, die nehme ich mir freilich. Aus Empathie zu den Kindern, die hier gemeint, doch nicht gefragt sind. Denn für jeden noch fühlend denkenden Menschen, sind die öffentlich gepushten Diskussionen und ihre folgenden Politiken nicht mehr aushaltbar – und darüber hinaus für Einzelne und Viele brandgefährlich. Damit, nicht nur aus menschenrechtlicher Sicht, untragbar.

„The intellect admits feeling only when it is convenient.“ – C.G. Jung

Dieser Tage diagnostizieren jene, die wichtig sind und wichtig sein wollen den Kindern von heute vermehrt Empathielosigkeit. Das bringt nicht nur TV-Zeit und Geld für die, die sprechen, über die, die keine Stimme haben, es ist auch strukturell bequem.

Aber was ist Empathie eigentlich?
Wie immer gibt es darauf viele Perspektiven, mir gefällt diese:

1) Nach- und Mitfühlen können, auch und gerade wenn es nicht der eigenen Erlebniswelt entspricht
2) Die Perspektive des Gegenüber zu verstehen versuchen, auch und gerade wenn sie nicht der eigenen entspricht
3) Aus dem Mitgefühl und der Perspektive für sich einen wohlwollenden Handlungsauftrag, ob klein oder groß abzuleiten.

Und sei es nur, einen Unterschied wertfrei zu akzeptieren – und dabei unterschiedliche systemische und strukturelle Ausgangs- und Folgebedingungen nicht außer Acht zu lassen. Das hier zu lesen ist z.B. gar nicht so einfach, aber wenn du es verstehen willst, dann schaffst du das auch. Menschen haben jahrtausende alte Schriften entziffert – der menschliche Geist ist also zu so einigem fähig. Auch heute, auch und gerade jener der Kinder. Daran ändert auch die Verantwortungslosigkeit bei gleichzeitigem Schlechtreden der jungen Generation nichts.

Kinder sind immer ein Spiegel.

Derzeit ist das große Thema die Sprache. Eigentlich verantwortliche Politiker:innen und selbstbeworbene Expert:innen verdienen gut daran, sich auf dieses Merkmal zu versteifen – immer mehr Medien nehmen gar eher diese in Schutz, als die Kinder, die hier diffamiert werden.

Verkehrt. Und gefährlich. Und gesetzeswidrig. Und flach. Und kurzsichtig.

Bleiben wir bei den Kindern – und ihren ratifizierten und teils verfassungsrechtlich gesicherten -Rechten (im Wortlaut der Bundeskanzleramts-Seite Ö):

Artikel 30 der Kinderrechtskonvention sagt: Du darfst deine eigene Kultur pflegen, deine Religion ausleben und deine Sprache sprechen, auch wenn diese anders ist als die der Mehrheit der Menschen in deinem Land. Der Staat muss Kinder, die Teil von Minderheiten oder einer Urbevölkerung sind, hierbei besonders schützen.

Artikel 29 der Kinderrechtskonvention sagt: Das Ziel von Bildung ist nicht nur, dass du viel neues Wissen erhältst, sondern auch, dass du deine Persönlichkeit, Talente und Fähigkeiten entwickeln kannst. Du sollst auf ein aktives Erwachsenenleben vorbereitet werden, andere Menschen und ihre Rechte achten, deine eigene und fremde Kulturen kennenlernen und verstehen, wie du deine natürliche Umwelt schützen kannst.

Das sind schöne Worte, die Kinder in jeder Sprache zu begreifen wissen – wie all jene, die auch als Erwachsene noch empathisch sein können. Außerdem: Wir alle, hier in Mitteleuropa, profitieren seit jahrhunderten von der zunehmenden Globalisierung – vieles davon wurde gewaltsam im Zuge der Kolonialisierung angetrieben, die Auswirkungen begünstigen noch heute Migrationsbewegungen. Noch heute profitieren wir von “günstigen Arbeitskräften aus dem Ausland”.

Doch die einem jeden unveräußerlich innewohnenden Rechte sollen nach Meinung von in Talkshows oft gesehenen und mit Verantwortungstragendenden sprechenden “Expert:innen” nun der Grund für strukturelle Probleme sein?

Wie dumm.

Wer das für empathisch hält, macht sich etwas vor – ob gewollt oder nicht.

Vielleicht ist in einer globalisierten Welt eine wichtige Kompetenz, wichtiger jedenfalls als Wortklauberei und gesprochenes Wort, Geduld – die Firmen werden auf die Schüler:innen warten können.

Nur eine kleine Anekdote zum Thema Sprache und was ein wenig Empathie im Kleinen bewirkt – gerade mit den technologischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen:

Ein geflüchtetes Kind aus der Ukraine kommt, ohne ein Wort deutsch zu sprechen, in die Schule. Weil es sein Recht ist, weil es das – die Gemeinschaft und das Fördern – braucht. Ein Social Media Aufruf verschafft dem Kind unkompliziert ein Tablet, mit der Schule wird vereinbart, dass per Übersetzungsapp kommuniziert wird und welche Aufgaben das Kind braucht, um schnell (sprachlichen) Anschluss zu finden.

Easy as that, wenn Ressourcen vorhanden sind, ohne, dass wer schuld sein muss oder dass große Reden in Talkshows geschwungen werden, die zwar den Redenden, doch sicher nicht den Kindern ohne Stimme helfen.

Das Gehirn eines Kindes ist auf Lernen programmiert, immanent und unwiderruflich. Tut es das nicht, dann sind wir daran – jeder Einzelne und ganze Systeme und Gesellschaften – in den Spiegel zu schauen.

Besser heute als morgen, im Sinne der Zukunft unserer Kinder und deren Kindeskinder. Sonst endet es mit den Expert:innen, denen wir so gerne aus Bequemlichkeit, nicht Empathie, lauschen.

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